1 Eine Betrachtung(?)
2 Meinen Mund will ich öffnen zu Sprüchen, / Will aus der Vorzeit Rätsel verkünden.
3 Was wir gehört und erfahren, / Was uns unsre Väter erzählt
4 Wollen wir unsern Kindern nicht verhehlen, / Indem wir der Nachwelt erzählen / Jahwes Ruhmestaten und Macht / Und seine Wunder, die er getan.
5 Er stellte ein Zeugnis in Jakob auf / Und gab ein Gesetz in Israel. / Unsern Vätern befahl er's an, / Daß sie ihre Kinder es lehrten.
6 Denn die Nachkommen sollen es kennenlernen: / Kinder, die noch sollen geboren werden, / Die sollen auch selbst auftreten / Und ihren Kindern davon erzählen,
7 Damit sie auf Gott ihr Vertrauen setzen, / Nicht vergessen der Taten Gottes / Und seine Gebote halten.
8 Denn sie sollen nicht werden wie ihre Väter, / Ein störrig, widerspenstig Geschlecht, / Ein Geschlecht mit schwankendem Sinn, / Das nicht treu hielt an seinem Gott.
9 Efraims Söhne, gerüstete Bogenschützen, / Kehrten um am Tage der Schlacht.
10 Sie hielten nicht den Bund Elohims / Und wollten nicht wandeln nach seinem Gesetz.
11 Sie vergaßen seiner großen Taten, / Seiner Wunder, die sie geschaut.
12 Vor ihren Vätern hatte er Wunder getan
13 Er teilte das Meer und führte sie durch / Und türmte die Wasser wie einen Damm.
14 Er leitete sie durch die Wolke bei Tag / Und die ganze Nacht mit feurigem Licht.
15 Er spaltete Felsen in der Wüste / Und tränkte sie reich mit Meeresflut.
16 Er brachte Bäche hervor aus dem Fels, / Ließ Wasser wie Ströme fließen.
17 Doch sündigten sie weiter gegen ihn, / Widerstrebten dem Höchsten im dürren Lande.
18 In ihrem Herzen versuchten sie Gott / Und forderten Speise für ihr Gelüst.
19 Sie redeten so wider Elohim: / Kann Gott einen Tisch in der Wüste decken?
20 Er hat wohl den Fels geschlagen, daß Wasser floß / Und Bäche ergiebig strömten: / Doch vermag er auch Brot zu geben / Oder Fleisch zu verschaffen seinem Volk?"
21 Als Jahwe das hörte, ergrimmte er, / Und Feuer entbrannte in Jakob, / Auch Zorn stieg auf wider Israel.
22 Denn sie glaubten nicht an Elohim, / Auf seine Hilfe vertrauten sie nicht.
23 Dennoch gebot er den Wolken droben, / Und des Himmels Türen öffnete er:
24 Er ließ Man auf sie regnen zur Speise / Und gab ihnen Himmelsbrot.
25 Engelspeise
26 Er ließ den Ostwind am Himmel wehn, / Führte durch seine Macht den Südwind herbei.
27 Er ließ Fleisch auf sie regnen wie Staub / Und beschwingte Vögel wie Sand am Meer.
28 In ihr Lager ließ er sie fallen, / Rings um ihre Gezelte her.
29 Da aßen sie, wurden übersatt / Und ihr Gelüst befriedigte er.
30 Aber noch war ihre Lust nicht gestillt, / Noch war die Speise in ihrem Mund
31 Da stieg Elohims Zorn wider sie auf - / Er streckte ihre Starken zu Boden, / Schlug nieder die Jünglinge Israels.
32 Trotz alledem sündigten sie aber fort / Und glaubten an seine Wunder nicht.
33 Drum ließ er ihre Tage schwinden in Nichts / Und ihre Jahre in jäher Hast.
34 Wenn er sie tötete, suchten sie ihn, / Kehrten um und fragten nach Gott,
35 Gedachten, wie Elohim ihr Fels / Und Gott der Höchste ihr Retter sei.
36 Doch heuchelten sie ihm mit ihrem Mund, / Mit ihrer Zunge logen sie ihm.
37 Ihr Herz war ihm nicht treu, / Sie hielten nicht fest an seinem Bund.
38 Doch er war barmherzig, vergab die Schuld / Und vertilgte sie nicht. / Oft hielt er seinen Zorn zurück, / Ließ nicht seinen ganzen Grimm ergehn,
39 Sondern dachte daran: sie sind nur Fleisch
40 Wie oft widerstrebten sie ihm in der Wüste, / Betrübten sie ihn in der Öde!
41 Immer wieder versuchten sie Gott, / Den Heiligen Israels kränkten sie.
42 Sie gedachten nicht seiner Hand
43 Als er in Ägypten Zeichen tat, / Seine Wunder in Zoans Gefild.
44 Er wandelte ihre Ströme in Blut, / Daß sie ihr Wasser nicht trinken konnten.
45 Er sandte ihnen Bremsen
46 Er gab ihr Gewächs den Nagern
47 Ihre Weinstöcke schlug er mit Hagel, / Ihre Maulbeerbäume mit Schlossen.
48 Dem Hagel lieferte er aus ihr Vieh / Und ihre Herden den Blitzen.
49 Er sandte gegen sie seines Zornes Glut / Mit Ingrimm, Wüten und Angst: / Eine Schar verderbender Engel.
50 Er ließ seinem Zorne freien Lauf, / Bewahrte sie nicht vor dem Tode, / Sondern gab der Pest ihr Leben preis.
51 Er schlug alle Erstgeburt in Ägypten, / Die erste Manneskraft
52 Sein Volk aber ließ er wie Schafe ziehn / Und leitete sie in der Wüste wie eine Herde.
53 Er führte sie sicher, daß sie nicht zagten; / Ihre Feinde aber bedeckte das Meer.
54 Er brachte sie in sein heilig Gebiet, / Auf den Berg, den seine Rechte erworben.
55 Völker
56 Doch sie versuchten und reizten Elohim den Höchsten, / Und seine Gebote hielten sie nicht.
57 Sondern wie ihre Väter wichen sie treulos ab, / Versagten wie ein trüglicher Bogen.
58 Sie erzürnten ihn durch ihre Höhn
59 Das hörte Elohim
60 Er verließ die Wohnung in Silo, / Das Zelt, das er unter Menschen errichtet.
61 Er ließ seine Macht gefangennehmen / Und gab seinen Ruhm in des Feindes Hand.
62 Er gab sein Volk dem Schwerte preis, / Und über sein Erbe zürnte er.
63 Ihre Jünglinge
64 Ihre Priester fielen durchs Schwert
65 Da erwachte Adonái wie vom Schlaf
66 Er schlug seine Feinde
67 Josefs Zelt
68 Sondern Judas Stamm erkor er, / Den Zionsberg, den er liebgewonnen.
69 Er baute hochragend sein Heiligtum
70 Er erwählte sich David, seinen Knecht, / Nahm ihn von den Hürden der Schafe.
71 Von den säugenden Schafen holte er ihn, / Daß er weide Jakob, sein Volk, / Und sein Erbteil Israel.
72 Er weidete sie auch mit lauterm Sinn / Und führte sie klug mit seiner Hand.